Tilman Engel sagt Danke:
GALAKTISCHE GEDANKEN ZUM ABSCHIED

Liebe
Fans, Freunde der Galaxy, Stadt Frankfurt und Hessen,
nach einer aufregenden Saison, einem sensationellen Endspiel und den
letzten fünfzehn Jahren Frankfurt Galaxy, ist heute ein ganz
besonders trauriger Tag, da wir uns – und ich mich damit ebenfalls –
von Ihnen und Euch allen verabschieden müssen. Unser Team, unsere
Liga existieren nicht mehr. In den nächsten Wochen werden wir unser
Büro abwickeln und uns dann alle neue Herausforderungen suchen
müssen.
Somit ist jetzt also nun der Zeitpunkt gekommen, um uns an das zu
erinnern, was einmal war und die Galaxy groß gemacht hat: Dabei denke ich an die vielen Spieler, die für netto 600 Dollar je
Spiel ihre Knochen auf dem Altar der Football-Götter opferten, um
für das Team, die Fans zu gewinnen - und erst dann für eine winzig
kleine Chance, einmal in der NFL zu spielen. Dabei denke ich an
Spieler wie Yepi Pauú, Tony Baker, Mario Bailey, Jake Delhomme, Ralf
Kleinmann, Matt Sinclair und die über fünfhundert anderen, die seit
1991 stolz das Jersey der Men in Purple getragen haben.
Eine Fan-Kultur wie hier in Frankfurt hat es davor - und wird es
wohl auch danach - nicht mehr gegeben – und damit meine ich nicht
nur in andere Bundesligen, sondern überall, wo professioneller Sport
beheimatet ist. Die Idee zu „Fans are Friends“ – in deutlicher
Abgrenzung zu dem sonst üblichen Konfrontationsdenken im Sport -
wurde hier geboren und wurde weit über diese Liga hinaus zu einem
Maßstab für leidenschaftliche, aber friedliche Großveranstaltungen.
Die Galaxy hat neue Maßstäbe in der Veranstaltungskultur und
Präsentation gesetzt, die zumindest in Teilen überall im Teamsport
Eingang gefunden hat. Vor 1991 wäre es Profi-Sportler nicht im Traum
eingefallen, sich bei den Fans für deren Einsatz persönlich zu
bedanken. Heute ist dies ein Standard geworden.
Galaxy, das war – das ist DER Name im Football außerhalb von
Nordamerika – und der andere ganz große Name im Sport hier im Herzen
Deutschlands. Das dürfen die Fans nie vergessen und solange man sich
erinnert, lebt die Galaxy weiter.
Wir haben große Siege und tolle Spieltage erlebt, aber auch bittere
Niederlagen erlitten. In unserem Stadion und bei Auswärtsfahrten
wurden Freundschaften in ganz Europa geschlossen, geliebt,
geheiratet und sogar bei Scheidungen über das Recht auf die
Dauerkarten gestritten.
Die Galaxy steht für die Hoffnung eines jeden jungen Spielers,
einmal unter dem Jubel der Zehntausenden durch den Helm in das
kochende Stadion einzulaufen; und auch für alle die jungen Frauen,
die seit früher Jugend davon geträumt haben, einmal im Stadion als
Galaxy Dancer aufzutreten. Beim Ironman am Sonntag fragten mich
mehrere Hostessen, wann denn endlich die Dancer–Tryouts wieder
stattfinden, da sie unbedingt Cheerleader der Galaxy werden wollten.
Auf die Einstellung des Spielbetriebes haben sie fassungslos und
ungläubig reagiert.
Von Anfang an und bis ganz zum Schluss gab es viele Neider und
Totsager und viele Argument, warum Football in Deutschland nicht
funktionieren könnte und eigentlich auch nicht dürfte – Ihr habt sie
alle widerlegt.
Gerade die Spiele in Frankfurt waren aber auch der Ort, um über alle
tagespolitischen, politischen und geografischen Differenzen hinaus,
die deutsch-amerikanische Verbundenheit zu zelebrieren. Ein Wort an die Fans, die derzeit Aktionen planen: Wir sind in jeder
Beziehung bei Euch, wir verlieren nicht nur unsere Jobs, sondern
auch unseren Lebensinhalt. Die Gedanken – was machen wir wann und
für welches Spiel, um noch mehr Menschen ins Stadion zu holen. Nur –
und das ist leider unumstößlich – es ist vorbei! Die NFL hat sich
entschlossen, einen anderen Weg bei der Internationalisierung des
Footballs einzuschlagen, und auf diesem Weg ist kein Platz mehr für
diese Liga und damit auch für unsere Galaxy.
Auf professionellen Football müssen die Fans in Deutschland dennoch
nicht verzichten. Der Fokus für die Zukunftsplanungen liegt jetzt
eindeutig darauf, American Footballs in Europa auf den
internationalen NFL-Saisonspielen und einer erhöhten
NFL-Medienpräsenz aufzubauen. Bereits 2008 könnte ein reguläres
NFL-Saisonspiel in Deutschland stattfinden und damit den
bestmöglichen Football vor Ort präsentieren.
In jedem Jahr seitdem ich General Manager wurde, habe ich vor der
Saison meinen - unseren Spielern - diese Gedanken mit auf den Weg in
die Saison gegeben: „Es ist völlig gleich, ob ihr direkt von einem
NFL Team kommt und mit einem tollen Vertrag ausgestattet seid oder
ob ihr als Free Agents mit nicht einmal 100 Dollar in der Tasche zu
uns kommt. Ihr seid jetzt Teil der stolzen Geschichte der Frankfurt
Galaxy und das ist das Einzige, was für mich, unsere Fans und für
die Stadt Frankfurt zählt. Hier in Frankfurt werden Meisterteams
geformt und ihr steht bereits jetzt in der Tradition all derer, die
hier in den letzten 15 Jahren gespielt haben. Es wird eine Zeit
kommen - egal ob ihr in die Profi-Liga geht, oder Euch schon bald
ganz anders orientiert - diese Zeit kann in einem Jahr sein oder
erst in einem anderem Leben, in zwanzig Jahren mit euren Enkeln,
dass ihr Euch wehmütig und mit Stolz and Eure Zeit hier bei
Frankfurt Galaxy erinnert. Und ich verspreche Euch, diese Zeit wird
kommen. Gleich was in Eurem Leben noch geschieht, lasst Euch diese
Erinnerungen und das Andenken an Eure Zeit bei der Galaxy von
niemandem nehmen. Solange auch ihr Euch erinnert, lebt ihr in den
Herzen der Fans weiter“
Und das Gleiche gilt auch für Euch! Vergesst nie diese Zeit – Eure
Zeit – bei, mit und als Teil der galaktischen „Men in Purple“ – und
solange lebt die Frankfurt Galaxy auch weiter.
Nur stellvertretend für viele andere, möchte ich an dieser Stelle
die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, unserem Head Coach Mike
Jones zu danken, der lange Zeit zu Unrecht angefeindet und bekritelt
wurde. Mike Jones ist der Coach, der völlig unterschiedliche Teams,
mit völlig unterschiedlichen Fähigkeiten in nur vier Jahren drei mal
ins Endspiel brachte. Mike Jones ist der erfolgreichste Head Coach
in der Geschichte der Galaxy und sein Name wäre in einigen Jahren
sicher in der Mitte unserer Wall of Fame erschienen.
Mir bleibt jetzt nur noch, Euch allen für 15 unvergessliche Jahre
ein letztes Mal Danke zu sagen
Euer
Tilman Engel
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